Marco Schmitt

, 12:15 pm to

Offene Wissenschaft oder geschlossene Gemeinschaften: Internettechnologien und wissenschaftliche Diversität

Offenheit ist seit jeher eine Grundbedingung funktionierender Wissenschaft. Die Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse, die freie Auswahl wissenschaftlicher Problemstellungen und Lösungswege und der offene Zugang für jedermann zu diesen Ergebnissen, Problemen und Lösungswegen bilden Kernelemente wissenschaflichen Erkenntnisfortschritts. Gleichzeitig gehören zur wissenschaflichen Arbeit aber auch Schließungsprozesse, die mit der Selektion hoher Qualität und der Ausdifferenzierung von immer mehr wissenschaftlichen Fachgemeinschaften und ihren eigenen Sprachen, Konzepten, Methoden, Denk- und Publikationsweisen zu tun haben. Offenheit als Ausgangspunkt und Schließung als Prozess bilden einen Widerspruch, der heute häufig durch einen Rückgriff auf den Diversitätsbegriff bearbeitet wird. Während die Frage nach einer angemessenen und notwendigen Diversität häufig im Zusammenhang mit den neuen Governance-Modellen der Wissenschaft gestellt wird, haben auch die zahlreichen wissenschaftsbezogenen Internettechnologien einen erheblichen Einfluss. Dies ist insbesondere deshalb interessant, weil das Internet ebenfalls einer Debatte um Offenheit und Schließung ausgesetzt ist. Dabei wird deutlich, dass es um dominante Ausrichtungen der technologischen Weiterentwicklung geht. Während relevanzbasierte Technologien wie Suchmaschinen und Networking-Seiten Schließungstendenzen zu befördern scheinen, nutzen eine ganze Reihe von Technologien "Wisdom of the Crowds"-Ansätze, um Austausch, Transparenz und Beteiligunschancen zu erhöhen. Mit dem Konzept der wissenschaftlichen Internetnutzungs- und Publikationsstile, sollen unterschiedliche mögliche Entwicklungslinien aufgezeigt werden, die Öffnungs- oder Schließungstendenzen für die Wissenschaft implizieren.